Warum kümmern sich die Bischöfe nicht wirklich um ihre Kirche?

Die Antwort gibt Kardinal Marx in einem Interview mit dem ZDF in der Sendung “sonntags”:

O-Ton: “[Gott] Es ist deine Kirche nicht meine Kirche.”

Danke losing-my-religion…

Skydaddys Anmerkungen:

Marx hat die bemerkenswerte Eigenschaft, im Walde pfeifen zu können, ohne die Lippen zu spitzen. Er kann dabei sogar reden:

[3:06] Das Christentum in Europa steckt noch in den Kinderschuhen – seine große Zeit liegt noch vor uns. – Da denken natürlich die Leute, der Erzbischof spinnt: Die große Zeit des Christentums liegt hinter uns. Aber dann haben wir ja schon geistig kapituliert.

Andere Highlights:

[1:18] Entweder hat man Argumente – vom Evangelium her, von der geistlichen Tradition der Kirche her –, oder nicht.

Zum Missbrauchsskandal:

[1:53] Natürlich wird man in einigen Jahren, glaube ich, vielleicht auch etwas objektiver auf diese Monate schauen [...] Und man wird vielleicht auch erkennen, [...] dass die Kirche hier stellvertretend für andere gesellschaftliche Bereiche auch etwas durchgelitten, durchgefochten hat [... wirklich schlimm, was die Kirche durchleiden musste...]

Und – eine Minute (zumindest in dem ZDF-Zusammenschnitt) nach “Das Christentum in Europa hat seine große Zeit noch vor sich”:

[4:09] Wir müssen einfach lernen, in einem guten Sinne auch demütiger zu werden.

  1. #1 von Andreas P am 26. November 2010 - 19:59

    Eine glaenzende Sternstunde des hysterisch-dielektrischen Marxismus-Schwadronismus! :D

  2. #2 von dinuma am 26. November 2010 - 20:26

    Ich habe das ganze Interview über mich ergehen lassen, was nicht einfach war. Sehr eloquent, der Marx, aber auch erschreckend ahnungslos. Wenn man analysiert, was er genau sagt, wird nur allzu deutlich: auch er hat nicht begriffen, um was es wirklich geht. Auch ihm ist der Zugang zum Wesentlichen, zu dem, was wirklich zählt, durch den Glauben verwehrt. Auch von ihm kommen nur die sattsam bekannten Worthülsen. Und wenn er dann, mit bestem Gewissen und dermassen selbstentlarvend, dass es schmerzt, vom universellen Anspruch der Kirche spricht, alle Menschen, alle Völker, alle Kulturen anzusprechen (d.h. zum christlichen Glauben zu bringen/zu zwingen), spätestens dann muss einem Angst und Bange werden! Haben diese Vollidioten (sorry, aber mir geht die Kappe hoch!), diese unverbesserlichen Deppen denn wirklich das Gefühl, eine Welt, die ausschliesslich aus Christen bestünde, wäre eine bessere Welt? Auf wie viel Prozent des Denkvermögens muss man das eigene Hirn herunterfahren, um einen solchen Schwachsinn zu verzapfen? Da kommt mir dann halt wieder das einzige Gebet in den Sinn, das mir auch als Atheist ab und zu in den Sinn kommt: HERR, LASS HIRN VOM HIMMEL FALLEN!

  3. #3 von Lebrac am 27. November 2010 - 08:57

    Jetzt will er uns seine christliche Märchen, über die die Stoiker und Epikureer nur den Kopf schütteln konnten, auch noch als Aufklärung verkaufen.

  4. #4 von Deus Ex Machina am 27. November 2010 - 09:17

    “[1:18] Entweder hat man Argumente – vom Evangelium her, von der geistlichen Tradition der Kirche her –, oder nicht.”

    –> LoL, da nimmt jemand sein Märchenbuch mal wieder zu ernst. In Zukunft werde ich mich dann gerne häufiger auf die Charta der Vereinten Föderation der Planeten beziehen.

    “[3:06] Das Christentum in Europa steckt noch in den Kinderschuhen”……..

    –> Klarer Fall von Kapitulation vor der Realität. Der Einfluss schwindet, nur manche wollen es nicht wahrhaben. Der Verstand des Mannes scheint selber noch in den Kinderschuhen zu stecken. Wie lange wollen die denn noch auf die Rückkehr ihres Herrn Jesu warten, wenn die “ersten” 2000 Jahre nur die “Kinderschuhe” in dem Kernausbreitungsgebiet markieren? Da stellt sich mal wieder die Frage, wie lange ein Kult, der im Namen eines allmächtigen Wesens handelt, noch braucht, um sich auf der Welt auszubreiten.

  5. #5 von harry am 27. November 2010 - 10:16

    Zur Aussage: “Gott. Es ist Deine Kirche, nicht meine Kiche.”

    Wie kann man solche Aussagen treffen?
    Doch nur dann, wenn man sich nicht in der Einheit mit Gott fühlt, denn Gott ist die Einheit und ich bin ein Teil davon.

    Verständlicher gesagt : “Mach Du Deine Arbeit, ich mach die meine.” Und schon haben wir die Trennung was der Gegenspieler Gottes will. Nämlich: Trenne, binde und herrsche. Aber wie wärs mit: Verbinde und Sei?

    Im übrigen verstehe ich das so: Die Kirche steckt in den Kinderschuhen und hat die Bergpredigt vergessen und nicht praktiziert.
    Meiner Meinung nach ist die Berpredigt lebbar, auch ohne Kirche.

  6. #6 von Atheist Media Blog am 27. November 2010 - 10:26

    @harry

    Meiner Meinung nach ist die Berpredigt lebbar, auch ohne Kirche.

    Besteht die christliche Lehre nur aus der Bergpredigt? Was ist mit dem Rest, soll man das verwerfen?

  7. #7 von Skydaddy am 27. November 2010 - 10:40

    Die Berpredigt ist lebbar? Dass man sich das Auge rausreißen und die Hand abhacken soll, wenn sie einen “zum Bösen” bzw. zum Abfall vom Glauben verführen?

    Na, dann viel Spaß!

  8. #8 von Atheist Media Blog am 27. November 2010 - 10:45

    @skydaddy

    Selbst die Bergpredigt ist Mist. Danke!

  9. #9 von Igor am 27. November 2010 - 10:51

    Gesegnet sind die Skifahrer?

  10. #10 von Andreas A. am 27. November 2010 - 10:55

    Man muss Herrn Marx aber eine gewisse Ausstrahlung anerkennen. Er verkörpert eher den gütigen, verständigen Dorfpfarrer als den großen Bischof.

    Jeder Normalgläubige wird begeistert seinen Aussagen zustimmen und tief ergriffen sein vom geistigen Inhalt seiner Worte.

    Jeder der sein Hirn frei von der Krankheit Religion gehalten oder gemacht hat, erkennt fast 10 Minuten leere Worthülsen ohne jeglichen Nutzen, so wie dinuma #2 es schon geschrieben hat.

  11. #11 von Dr. Sheldon Cooper am 27. November 2010 - 11:32

    Ich glaube schon, dass die große Zeit der Religionen noch vor uns liegen könnte. Wenn wir nämlich sämtliche Ressourcen letztendlich verbraucht haben, da wir den Planeten übervölkern. Daraus wird eine neue materielle Armut hervorgehen, die zum Nährboden für Religion und Krieg heranwächst und vermutlich das Ende der Ära des Wissens einläutet. Ich gebe der Menschheit noch 1000 Jahre, dann wird es Zeit, dieses Experiment der Evolution mit abstrahierender Intelligenz zu beenden.

    Ich baue mir aber vorher ein Raumschiff und verschwinde von diesem bekloppten Planeten. Ihr findet mich in der Alien-Bar auf Tatooine.

  12. #12 von peanut am 27. November 2010 - 11:40

    Cooper, zum Glück werden wir und unsere Kinder nicht mehr so alt. Klar werden wir (Menschen) den Planeten weiter ausschlachten. Ich kann mir auch vorstellen, so wie du es darstellst, dass man sich gegenseitig zerfleischen wird und irgendwelche Götter vorschiebt, um das bisschen, was noch da ist, unter den Nagel zu reissen. Es werden wohl noch mehr Jehovas usw aus dem Boden wachsen, um eine religiöse Elite darstellen zu wollen. Erst zerstören wir im Namen Gottes den Planeten und dann holen uns die Raumschiffe ;-)

  13. #13 von Igor am 27. November 2010 - 12:25

    Pass auf, dass du nicht mit Kaulitz in Coopers Bar landest.

  14. #14 von peanut am 27. November 2010 - 12:26

    Ei, ei, ei…

  15. #15 von losing-my-religion am 27. November 2010 - 12:42

    Ich finde diese Distanzierung von der Kirche einfach großartig. Sobald es ihn um den Schlaf bringen könnte, denkt er einfach, er habe damit nichts zu tun. Sein Geld nimmt er aber sicher gern an (Ich weiß, ich weiß – sein Gehalt zahlen wir Steuerzahler. Er würde es aber nicht bekommen, wenn er nicht Bischoff (Kardinal) wäre.). Auch die Macht, die ihm das Amt beschert, macht ihn ja nicht unglücklich, wie er sagt. Aber sobald es etwas Negatives gibt klinkt er sich aus.

    Okay, das haben wir alle schon geahnt – aber dass er das öffentlich zugibt, ist einfach großartig. Was für ein Arsc……..!

  16. #16 von Igor am 27. November 2010 - 12:51

    “Aber sobald es etwas Negatives gibt klinkt er sich aus.”

    Wie alle anderen.

  17. #17 von Max Headroom am 27. November 2010 - 15:17

    Meine Blase drückt … oder es ist ein Zeichen des Herrn, mit dem er mich auffordert, diesem Käppchenträger mal einige Worte zu widmen ? ;)

    Er will die “Kirche” nicht rücken. Eine Veränderung der Kirche kommt anscheinend nicht im Sinn. Es geht darum, den Menschen zu “erreichen” und zu formen fördern. Zeigt sich auch in der Aussage, dass die Kirche – stellvertretend für andere Bereiche der Gesellschaft – etwas duchgelitten und durchgefochten hat. Ich möchte mich ungern wiederholen, aber es waren klerikale Menschen, die mit der “kirchlichen Botschaft” im Rücken, die Taten ausübten. Und die Kirche wusste in einigen Fällen sehr wohl bescheid und handelte nachweislich nicht gesellschaftsfördernd. Oder ist die Weitergabe des Kinderf*ckers an eine unwissende Gemeinde ein stellvertretender Akt für die anderen Bereiche der Geellschaft ?

    Die Kirche möchte dazu beispielhaft die Kinder “stark” gegenüber Missbrauchsfällen machen. Doch dazu hat weder Marx noch Benedikt die Kraft dazu. Man möchte möglichst nichts an “der Kirche” verändern, weshalb man sich entweder an die “Bibelunkundigen” wenden möchte, um “mit ihnen” im Büchlein nachzublättern, wie damals mit Missbrauchsfällen in der Kirche umgegangen wurde (LOL!!!elfelf1!!), oder die Kinder stabiler zu machen, falls ein weiterer klerikale Kinderf*cker, gedeckt durch die “Leitlinien”, seine Finger nicht bei sich halten kann. An der Kirche gibt es bekanntlich nie einen Mangel, weshalb der Dialog sich darum bemühen sollte, eine “christlichere” Erziehung zu propagieren. Die Institution wäscht ihre Hände wieder einmal in Unschuld. Ich bin wahrlich *gähn* überrascht.

    2:49 – Vielleicht ist man in den letzten Jahrzehnten (!) nicht mit der richtigen Anspannung, dem richtigem Schwung, missionarisch tätig gewesen. Das zumindest meint Marx. Ich kann davon nichts entdecken. Man war genauso schwungvoll tätig, wie man es auch immer tat. Es ist die Gesellschaft, die kein besonderes Interesse mehr aufweist. Der Papst und der Bischof haben nicht mehr die mittelalterliche Größe in der gesammten Gesellschaft. Manche Juden klatschen, drehen sich aber danach um und reden mit ihrem Nachbarn. Manche Muslime schauen im TV das Gesicht des Papstes an, verkaufen aber 10 Sekunden später ihr Gemüse oder den Döner. Und manche Deutsche gehen lieber in den Park oder schauen die Formel 1, als sich an berufliche Märchenerzähler zu halten. Sie sind dem Alter des Märchens entwachsen und haben nicht unbedingt das Bedürfnis, ihn noch “mit Leib und Seele” missionarisch zu stützen. Mit dieser Realität möchten Leute wie Marx nicht konfrontiert werden. Für sie ist “ihre Kirche” perfekt und kann höchstens “anders” vermittelt werden. Die “Schuld” sucht man dann nicht bei sich selbst, sondern in dem “Missverständnis” bei der Vermittlung der Geschichten. Applaus! Nebelgranate erfolgreich in’s Ziel geschossen. Denn bekanntlich dient der Dialog mit kirchenfernen Menschen – Marx zufolge – nicht dazu, die Gemeinschaft und die Kommunikation der Kirche zu verbessern [1] [2], sondern möglichst gut den biblischen Text (die Bergpredigt?) zu interpretieren.
    Ich hake dies mal unter “Realitätsverlust” ab.

    Dann glorifiziert er die “frohe Botschaft”. Das die Verkünder sich an Kinder vergangen haben, ist in diesem Falle unwichtig. Man kann auch nichts an der Kirche ändern. Sie ist in seinen Augen eben perfekt :P . Seit 2000 Jahren verkündet die Kirche die “frohe Botschaft”. In jeder Stadt gibt es es Kirchen. Man hat wahrlich kein Problem, in Europa innerhalb von 3 Minuten die “frohe Botschaft” zu finden. Sie ist überall! Doch anscheinend ist sie nicht “aufklärerisch” genug verbreitet worden, weshalb Missbräuche durch die Kirche ausgeübt und vertuscht wurden. Nur … wer ist dann der Adressat, wenn die Moralverkünder selbst die Verantwortlichen sind ?

    Zusammengefasst, lässt sich folgendes sagen: Die “Botschaft” ist wichtig. Evangelium rulz! Alles andere ist … ähm … “diskussionswürdig” und sollte nicht zu ernst genommen werden. Der Weg der Kirche ist, ihr Evangelium “zu allen Völkern” (5:20) zu vermitteln. An eine strukturelle Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten ist man – wenn ich Marx so verstehe – besonders interessiert. An der Grundstruktur an sich, welche Missbräuche ermöglichen, hingegen nicht. Trauer, Betroffenheit, ist das höchste, was kommt. Weitere Kräfte sollten scih darum bemühen, das Evangelium zu verbreiten. Fertig. Er lebt wohl in einer Parallelwelt, in der “die Kirche” als Institution weiterhin die selbe “Kraft” ausübt, wie im Mittelalter. Wie gesagt … ich hake dies als “Realitätsverlust” ab.

    [1] http://www.wir-sind-kirche.de/?id=128&id_entry=2883
    [2] http://dialog.kirchenreform.de/dialoginitiative.html

  18. #18 von Deutsch-Pole am 27. November 2010 - 15:48

    Warum? Weil sie zu sehr mti dem beschäftigt sind worum es eigentlich geht,nämlich mit Geldzählen. Alles andere stört da nur…

  19. #19 von Lebrac am 27. November 2010 - 16:04

    Wenn ich 6000 Euro im Monat bekäme, dann wäre mir auch Wurst, wem die Firma nun eigentlich gehört.

  20. #20 von pantarheiblog am 27. November 2010 - 17:28

    Der beste Spruch:
    “Für Europa war das Evangelium und die Verkündigung der frohen Botschaft die wichtigste Aufklärung”